orfeus kharm
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Der Arbeit Bild ist geht eine intensive Auseinandersetzung mit der Philosophie, in erster Linie jener Schopenhauers, Nietzsches, Heideggers sowie Wittgensteins, aber auch der französischen Poststrukturalisten von Deleuze und Derrida, voraus. Unweigerlich finden sich auch Bezüge zur christlichen Mythologie, insbesondere durch den zentral situierten Begriff ANFANG in Bezug zu WORT, doch zitiert dieser auch Hegel heran, der das Wort Anfang auf den Begriff bringen möchte indem er ihn bestimmt als: es ist noch nichts, aber es soll etwas werden. Der Begriff TON spielt mit der wittgensteinschen Betonung des Tonfalls in der Wortsprache oder des (metaphorischen) Tons in der Literatur überhaupt. Hiezu finden sich unendlich viele Zitate in der Literatur. Der Begriff ZEITRAUM kommt von Heidegger her und bedeutet so etwas wie das geisteswissenschaftliche Pendant zur physikalischen Raumzeit. Der Begriff SPUR zitiert die Konzeptkunst der sechziger und siebziger Jahre heran mit ihrer Praxis der Spurensuche.
Es bildet sich so ein vielfältiges Netz von Assoziationen, aber auch das "bloße Wort" als sinnlicher Repräsentant des Begriffs wird einer eingehenden Betrachtung zugeführt. So wird das Fangen im Wort ANFANG erst nach und nach bewusst, oder springen im Wort URSPRUNG, also der Sprung aus Ur, welches zum einen die älteste biblische Stadt bezeichnet, zum anderen (etymologisch) die alte Form von Auer (Auerochse), oder das Innere bei Erinnern, wobei der Bruch im "innern" das Vergessen als Grundlage des Erinnerns aufzeigt. Das Wort WORT spielt auf die "sinnvolle" Zusammenstellung von Buchstaben an, insofern als das Wort mehr ist als die Summe seiner Buchstaben, da ein Gebilde aus zusammengestellten Buchstaben erst als Wort bezeichnet werden kann, wenn es auf etwas außerhalb von ihm, dem Wort, deutet. In diesem Sinne ist die Sprache durchgehend metaphorisch und metaphysisch.
Wörter geben uns die Möglichkeit Abwesendes anwesend zu machen. Durch das Wort sind wir sowohl im Bilde als auch meist gleich schon im Satz, mithin in der Sprache. In einem gewissen Sinne verleiht das Wort den "Dingen" erst ihr "Sein", also ihre Existenz, jedenfalls in der zwischenmenschlich kommunikativen Konvention. In diesem Sinne ist Sprache auch Struktur des Seins. Der christliche Mythos im Prolog des Johannes-Evangeliums spricht: "Alles ist durch das Wort geworden, und ohne das Wort wurde nichts was geworden ist." Und Hölderlin schreibt: "was aber bleibt, stiften die Dichter"...
Aus all dem wird ersichtlich, dass es sich im Falle der "Wortbilder" weniger um eine Befragung des Phonetischen, noch um den Gestus des Schreibens (welcher sich hier in einer völlig konstruierten Schrift verläuft) auch nicht so sehr um die rein graphisch ästhetische Aufarbeitung von Schrift, oder ein Aufzeigen der Austauschbarkeit und Unverbindlichkeit von vermittelter Realität handelt, wobei all diese "Konzepte" eine gewisse Rolle spielen, sondern vielmehr um ein Hindeuten auf den Prozess, in dem Bedeutung entsteht, ein Hindeuten auf Semantik und Syntaktik des Zeichensystems Sprache und auch ein Hindeuten auf dessen Bezug zum Zeichensystem Bild. Die Sprache tritt an die Stelle des Kunstwerks, sie hebt das "Werk" als "Artefakt" gleichsam auf. Zentral wird so der Prozess des verbalen Formulierens der Konzeption des "erst zu realisierenden Werkes". Der theoretische Diskurs über Kunst wird zum Gegenstand der Kunst, also zur Nichtkunst.
markus hofer(2003)
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